Christian Schmidt im Plenum

Staatssekretär Schmidt unterstützt Museumsinitiative in Fürth

Politische Bildung für Soldaten im Jüdischen Museum Franken

Donnerstag, 16.07.2009

Der Bezirkstagspräsident von Mittelfranken, Richard Bartsch, hatte die Idee: Letztendlich entwickelte sich daraus am 15. Juli 2009 in den  "Schatzkästchen" der Stadt Fürth, im "Jüdischen Museum Franken" und in der "Grünen Scheune", die Auftaktveranstaltung, um für die Politische Bildung von Soldaten künftig verstärkt das Museum in Fürth zu nutzen. Dafür waren rund 70 Soldaten aus Standorten ganz Süddeutschlands als Multiplikatoren der Einladung gefolgt, darunter auch Brigadegeneral Johann Berger, der stellvertretende Befehlshaber im Wehrbereich IV – Süddeutschland -.

Prominent unterstützt wurde dieses Anliegen auch von Christian Schmidt, dem Parlamentarischen Staatssekretär beim Bundesminister der Verteidigung und heimischen Bundestagsabgeordneten, der diese Initiative in seinem Heimatwahlkreis natürlich gerne aufgenommen hat. Nicht nur das, seinen Ausführungen zu diesem Thema war deutlich anzumerken, wie sehr Schmidt dieses Thema verinnerlicht und zu seinem ganz persönlichen Schwerpunkt gemacht hat.

Aktuelle Bezüge
Er verwies auf den Zusammenhang von Innerer Führung und Politischer Bildung von Soldaten. Dabei spielten die Beschäftigung von Fragen von Integration und Assimilation im Jüdischen und im Militärischen in der deutschen Geschichte eine wichtige Rolle, besonders für die heutige Generation. Hier gibt es auch eine Reihe von aktuellen Bezügen, beispielsweise bei der Durchführung Feierlicher Gelöbnisse in der Öffentlichkeit. "Mit dem Gelöbnis am 30. Juli 2009 auf dem Münchener Marienplatz sind wir heute da, wo wir mit der Bundeswehr hinwollen, nämlich genau in die Mitte der Gesellschaft."

Interkulturelle Bildung als Herausforderung
Der Parlamentarische Staatssekretär verwies auch auf die neuen Fragestellungen im Zusammenhang mit der Entwicklung der Bundeswehr hin zu einer Armee im Einsatz: "Die Interkulturelle Bildung ist dabei eine besondere Herausforderung. Sie muss  eine Basis haben, hierzu ist historische und charakterliche Bildung notwendig, auch um den alten und den sich jüngst entwickelnden Tendenzen von Antisemitismus und Extremismus entgegen wirken zu können, gerade unter jungen Leuten. Dazu eignet sich ein Besuch in diesem Museum hervorragend. Ich hoffe, dass unsere Soldaten künftig von dieser hier heute angebotenen Möglichkeit regen Gebrauch machen."


Geschichtlicher Exkurs
Gestützt wurde diese Auftaktveranstaltung mit einem geschichtlichen Exkurs von Fregattenkapitän Dr. Frank Nägler vom Militärgeschichtlichen Forschungsamt Potsdam zum Thema "Deutsch - Jüdische Soldaten." Anschließend gab Museumsleiterin Daniela F. Eisenstein eine Einführung in das Museum und erläuterte das Museumskonzept. Beeindruckend, wie sie in kurzer Zeit die Zuhörer in ihren Bann zog, durch die Schilderung von Schicksalen, die eng mit dem Museum verknüpft sind - und das bis heute. Beispielsweise bei dem letzten jüdischen Abiturienten in Fürth, der zwar in der Nazi – Diktatur noch sein Abitur machen konnte aber von der Abiturfeier ausgeschlossen wurde. Trotz aller Widrigkeiten und Internierung in einem Arbeitslager gab er seinen Traum, Brücken zu bauen, nicht auf und verwirklichte ihn 1946 in den USA, wo er als Ingenieur an zahlreichen Projekten mitwirkte. Davon zeugt ein Helm, den er dem Museum von der Rekonstruktion der Golden Gade Bridge schenkte. - Dieses Beispiel verdeutlicht das Konzept dieses Museums, über biographische Zugänge geschickt zur Perspektivenübernahme anzuregen und so interkulturelle Kompetenzen in unserem globalen Zeitalter im Museum zu vermitteln: "Denn diese Fragen beschäftigen uns alle, tagtäglich werden wir damit konfrontiert“, so die Museumsleiterin.

Im Museum
Ein abschließender Rundgang in drei Gruppen durch die modern gestaltete Ausstellung über mehrere enge Etagen in einem historischen Gebäude einer alten Spiegelfabrik zeigte die Intention des "Deutsch Jüdischen Museums in Franken" auch an Hand von deutschen Soldatenschicksalen. Fast zu jedem Exponat können die Museumsmitarbeiter nachdenkliche und berührende Geschichten erzählen.
"Erst mit einer versierten geschichtlichen Einführung und Begleitung durch die Ausstellung, ähnlich wie wir es heute erlebt haben, sind im Rahmen von Politischer Bildung die gewünschten Effekte bei jungen Soldaten zu erzielen," war sich die Abordnung des Landeskommandos Bayern, unter Führung von Oberstleutnant Erk Wechselberg, dem Chef des Stabes, einig.
Lucia Holland, Oberstabsgefreite im Sanitätsdienst aus Ingolstadt, erklärte sehr bestimmt: "Nicht nur, weil ich hier aus der Region stamme, habe ich ganz bewusst dieses Angebot zur Weiterbildung genutzt, sondern weil man dies hier einfach mal sehen und sich damit beschäftigen muss."
Gudrun Bartels


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