Christian Schmidt im Plenum

Kommuniqué der Jahreskonferenz 2015 des Deutsch-Tschechischen Gesprächsforums

Angst vor dem Unbekannten muss überwunden werden!

Dienstag, 27.10.2015

Konstanz, Oktober 2015 - Das deutsch-tschechische Verhältnis hat im Laufe der vergangenen Jahrhunderte eine besondere Prägung durch religiöse Einflüsse und daraus hervorgegangene gesellschaftliche Bewegungen erfahren. Religion entfaltete über Grenzen hinweg eine verbindende, vereinende Kraft. Doch sie war in der Vergangenheit auch immer wieder teilendes und ausgrenzendes Instrument der Macht. Es wurden Irrwege beschritten, bis hin zur Perversion des nationalen Gedankens im 20. Jahrhundert.

In der Erkenntnis dieses Versagens haben die Religionen und Konfessionen gerade in Deutschland und Tschechien den Auftrag zur Versöhnung und Verständigung abgeleitet. Ihr Wirken beförderte und begleitete die Überwindung von Unfreiheit und die friedliche Wiedervereinigung Europas.

Doch die dynamischen gesellschaftlichen Veränderungen in einem zunehmend säkularen Europa stellen die Kirchen und Religionsgemeinschaften vor die Frage, wie sie die Menschen weiterhin erreichen und binden können. Zwar nimmt die Bedeutung von Religion im Alltag immer mehr ab, doch führt die immer stärkere Sichtbarkeit des Islam insbesondere in Deutschland bei vielen Menschen zu Unsicherheiten. Gerade vor dem Hintergrund der gegenwärtig medial omnipräsenten Migrationsströme überwiegend muslimischer Menschen nach Europa rücken Fragen religiöser Identität neu ins Bewusstsein. Gruppen wie PEGIDA (in Tschechien Islám v ČR nechceme) adressieren diese Unsicherheiten und missbrauchen bei ihren fremdenfeindlichen und islamophoben Demonstrationen das christliche Kreuz als Symbol der Abgrenzung gegenüber dem Islam. Politik wie Religionsgemeinschaften müssen dem entschieden entgegentreten.

Wir brauchen einen Dialog mit den Menschen muslimischen Glaubens in unseren Ländern. Muslime müssen gleichberechtigt mit den bestehenden Religionsgemeinschaften eingebunden werden. Nur durch gegenseitiges Kennenlernen und ein gemeinsames Miteinander kann die Angst vor dem Unbekannten überwunden werden.

Bundesminister Christian Schmidt, MdB
Dr. Libor Rouček, Stellv. Präsident des Europäischen Parlaments a.D.,
Ko-Vorsitzende des Beirats des Deutsch-Tschechischen Gesprächsforums

 

Foto: Ondrej Stanek


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