Christian Schmidt im Plenum

Bundesminister Schmidt diskutiert mit Medizinern, Theologen und betroffenen Angehörigen über das Thema Sterbehilfe

Veranstaltungsreihe „Punkt Schmidt – Themen auf den Punkt gebracht“ fortgesetzt

Montag, 13.04.2015

v.l.n.r.:  Dr. Richard Sohn, Mitglied im Vorstand Ärztenetz Fürth in Stadt und Land e.V., Andrea Barz, betroffene Angehörige und Kreisvorsitzende der Frauen Union Fürth-Land, Bundesminister Christian Schmidt MdB, Moderator Christoph Reuther, Kreisvorsitzender der Jungen Union Fürth-Land, Dekan Friedrich Schuster und Roland Martin Hanke, 1. Vorsitzender des Hospizvereins Fürth e.V. im Klinikum.

v.l.n.r.: Dr. Richard Sohn, Mitglied im Vorstand Ärztenetz Fürth in Stadt und Land e.V., Andrea Barz, betroffene Angehörige und Kreisvorsitzende der Frauen Union Fürth-Land, Bundesminister Christian Schmidt MdB, Moderator Christoph Reuther, Kreisvorsitzender der Jungen Union Fürth-Land, Dekan Friedrich Schuster und Roland Martin Hanke, 1. Vorsitzender des Hospizvereins Fürth e.V. im Klinikum.

Vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Debatte über die Sterbehilfe hat Christian Schmidt, Bundesminister und heimischer Bundestagsabgeordneter, seine Veranstaltungsreihe „Punkt Schmidt – Themen auf den Punkt gebracht“, fortgesetzt. Mit Dr. Roland Martin Hanke, dem 1. Vorsitzenden des Hospizvereins Fürth e.V. im Klinikum, Dr. Richard Sohn, Mitglied im Vorstand Ärztenetz Fürth in Stadt und Land e.V., dem Langenzenner Dekan Friedrich Schuster und Andrea Barz, betroffene Angehörige und Kreisvorsitzende der Frauen Union Fürth-Land, diskutierte er im voll besetzten Bürgersaal in Langenzenn über das Thema „Sterbehilfe – Fluch oder Segen?“. Moderiert wurde die Veranstaltung von Christoph Reuther, Kreisvorsitzender der Jungen Union Fürth-Land.

„Die Anerkennung der unveräußerlichen Würde des Menschen gilt unabhängig von seinen Eigenschaften oder seiner Leistungsfähigkeit, und sie gilt selbstverständlich auch für das ungeborene Leben, den Menschen mit Behinderung oder für den Sterbenden. Sie ist nicht differenzierbar“, betonte Schmidt. „Dieses Grundrecht ist für uns unumstritten und bildet die Grundlage unseres menschlichen Zusammenlebens. Deshalb sage ich ganz klar: Eine angestrebte Legitimation eines ärztlichen begleiteten Suizids sowie gewerbliche oder gemeinnützige organisierte Sterbehilfe darf nicht existieren.“ Sei ein Mensch unheilbar krank, „müssen wir die Rahmenbedingungen dafür schaffen, dass er sich in der letzten Phase seines Lebens in Würde auf den Tod vorbereiten und vielleicht trotzdem noch Freude am Leben haben kann“, so Schmidt weiter. Deshalb sei es wichtig, die Hospiz- und Palliativversorgung auszubauen. 

„Wir müssen jedem Menschen, der sich in einer letzten und/oder schwerstkranken Lebensphase befindet, die Möglichkeit geben, sich in die begleitenden Hände von Fachpersonal zu geben, um ein schmerzfreies Lebensende zu gewährleisten“, betonte der Bundestagsabgeordnete. Eine gute Hospiz- und palliativmedizinische Versorgung verringere den Wunsch nach „Sterbehilfe“ erheblich, weil dadurch dem Sterbenden Selbstbestimmung und weitestgehend Schmerzfreiheit zurückgegeben würden.

Das bestätigte Dr. Roland Martin Hanke, Vorsitzender des Hospizvereins Fürth. „Wir machen oft die Erfahrung, dass ein Betroffener gar keine aktive Sterbehilfe möchte. Leid und Sterben sind höchst individuell und durch gesetzliche Normen nicht verwaltbar. Die derzeitigen Rechtsnormen reichen vollkommen aus, Menschen unter Achtung ihrer Würde und ihrem Willen ein Sterben nach eigenen Vorstellungen zu ermöglichen.“ Die Hospiz- und Palliativbewegung gewährleiste die ganzheitliche Umsorgung Schwerstkranker und Sterbender.

Andrea Barz hätte sich bereits vor Jahren eine solche Versorgung für ihre an Krebs erkrankte Mutter gewünscht. „Als sie sterben wollte und im Krankenhaus Essen und Trinken verweigerte, sollte sie zwangsernährt werden. „Ich konnte das nur verhindern, indem ich sie nach Hause holte und dort pflegte bis sie starb.“ Für Barz bedeutet deshalb Selbstbestimmung, auch selbstbestimmtes Sterben. „Ich bin gegen aktive Sterbehilfe, aber auch gegen lebensverlängernde Maßnahmen, wenn der Betroffene diese nicht wünscht.“

Auch Dr. Richard Sohn sprach sich gegen aktive Sterbehilfe und für eine Stärkung der Palliativmedizin aus, um Sterbende wie Angehörige im Sterbeprozess psychisch zu stützen und damit dem suizidalen Gedanken von Sterbenden entgegenzutreten. „Viele Menschen wissen noch nicht, was mit Palliativmedizin alles möglich ist. Es steht die Angst vor dem Alleinsein, dem Schmerz, dem Ohnmächtig sein im Vordergrund, weil die Information fehlt.“ Einen "aktiven" Abschiedsprozess hält Sohn für unbedingt sinnvoll und durch Palliativteams gut leistbar. Eine Verbesserung liege damit nicht in der Hand der Legislative, sondern in der Umsetzung durch die Verantwortlichen im bestehenden Gesundheitssystem.

„Ich höre oft von Menschen „Ich möchte meiner Familie nicht zur Last fallen“, berichtete Dekan Friedrich Schuster. „Warum kommt es zu so einer Aussage? Wir leben in einer Leistungs- und Spaßgesellschaft und da passt der Tod nicht dazu. Wir müssen uns aber bewusst machen, dass das Leben ein Geschenk ist. Wir müssen es gestalten, in der Leistungs- und Spaßgesellschaft, aber eben auch mit dem Blick auf das Leid. Deshalb plädiere ich für eine Stärkung der Palliativ-Care.“

„Im November werden wir im Bundestag über das Thema Sterbebegleitung, aber auch über das Thema Palliativ-und Hospizversorgung entscheiden“, betonte Schmidt und machte noch einmal deutlich: „Wir erteilen jeglicher Form der aktiven Sterbehilfe eine klare Absage.“ So stehe es im Bayernpapier der CSU, und dies unterstreiche auch er. „Zu einer humanen Gesellschaft gehört das Sterben in Würde dazu. Deshalb wollen wir die Hospizbewegung weiter stark unterstützen und die Versorgung mit Palliativmedizin ausbauen.“ 


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