Christian Schmidt im Plenum

Rabbiner legen Kranz in der Gedenkstätte Deutscher Widerstand nieder

Militärisches Traditionsverständnis gründet auf Graf von Stauffenberg

Montag, 11.11.2013

Parlamentarischer Staatssekretär Christian Schmidt mit Rabbinerin Ellen Weinberg Dreyfus, die Delegationsleiterin der CCR      Quelle: BMVg;  Karl-Heinz Gubner

Parlamentarischer Staatssekretär Christian Schmidt mit Rabbinerin Ellen Weinberg Dreyfus, die Delegationsleiterin der CCR Quelle: BMVg; Karl-Heinz Gubner

Um die Akteure des deutschen militärischen Widerstandes zu ehren, legte eine Delegation der Central Conference of American Rabbis (CCAR) einen Kranz in der Gedenkstätte Deutscher Widerstand nieder. „Danke, dass Sie hier sind“, sagte der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister der Verteidigung Christian Schmidt in seiner Rede.

Die CCAR – gegründet im Jahr 1889 – ist die weltweit größte und älteste Organisation von Rabbinern des Reformjudentums. Die rund 30-köpfige Gruppe ist nach Deutschland gekommen, um der vielen Opfer der Shoah zu gedenken und die Erneuerung des jüdischen Lebens in Deutschlands zu feiern, so Rabbinerin und Delegationsleiterin Ellen Weinberg Dreyfus. Ihr Ehemann, James Nathaniel Dreyfus, ist der Urenkel des Rabbiners Leo Baeck. Dieser war Berliner Oberrabbiner und in seiner Zeit einer der bedeutendsten Vertreter des deutschen liberalen Judentums. Baeck verfügte zudem über Kontakte zur Widerstandsgruppe um Carl Friedrich Goerdeler. 1943 wurde Baeck in das Konzentrationslager Theresienstadtverschleppt. Er überlebte schwer misshandelt den Holocaust und übersiedelte im Juni 1945 nach London. Dort wirkte er als Präsident der von ihm 1924 mitbegründeten Weltunion für progressives Judentum. Im Jahr 1947 begründete Baeck das später nach ihm benannte „Institut zur Erforschung des Judentums in Deutschland seit der Aufklärung“.

Der Besuch der CCAR fällt nicht zufällig in diese Zeit des Jahres. So jähren sich die Novemberpogrome des nationalsozialistischen Unrechtsregimes zum 75. Mal.

Mit den Novemberpogromen gingen die Nationalsozialisten von der juristischen und bürokratischen Verfolgung der Juden zur offenen Gewalt gegen die entrechtete Minderheit über. Diskriminierung gab es bereits seit Beginn der NS-Herrschaft – in der Nacht vom 9. auf den 10. November1938 schlug diese Diskriminierung in offene Gewalt um.

Besuche von Friedhöfen und Museen, Gedenk- und Erinnerungsstätten standen auf dem weiteren Programm der Delegation. Sie schauten sich in jüdischen Schulen und Synagogen in und um Berlin um und verschafften sich damit einen Überblick über die derzeitige Situation jüdischen Lebens in Deutschland.

Es ist bereits das vierte Mal, dass Vertreter der CCAR in der Gedenkstätte Deutscher Widerstand einen Kranz niederlegen. „Wir ehren heute diejenigen, die aufstanden und Widerstand leisteten und die dafür mit ihrem Leben bezahlten“, sagte Ellen Weinberg Dreyfus. „Auch wenn es nur ein paar waren“, ergänzte sie. „Es waren zu wenige und es war schon zu spät“ – dennoch seien sie ein „Funken in der Dunkelheit“ gewesen. Staatssekretär Schmidt stellte heraus, dass sich das Traditionsverständnis der Bundeswehr insbesondere auf den militärischen Widerstand um die Gruppe von Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg gründet. Dies sei einmalig in der Welt.

Im Anschluss an die Kranzniederlegung lud Staatssekretär Schmidt die Delegation zu einem Empfang in den Bendlerblock ein.


zurück zur Übersicht