Christian Schmidt im Plenum

Gelungene Konversion: Vom Übungsplatz zum Testzentrum

„Rahmenvereinbarung zur Freigabe der Liegenschaften am Standort Immendingen“.

Montag, 13.05.2013

Sind sich einig: Staatssekretär Schmidt und Daimler-Vorstand Weber (Quelle: Bundeswehr/aDimler AG)

Sind sich einig: Staatssekretär Schmidt und Daimler-Vorstand Weber (Quelle: Bundeswehr/aDimler AG)

Ihr Titel ist etwas sperrig, sie umfasst nur wenige Seiten, und doch ist sie ein Paradebeispiel erfolgreicher Konversion: Am 7. Mai unterzeichneten das Verteidigungsministerium und die Daimler AG ihre „Rahmenvereinbarung zur Freigabe der Liegenschaften am Standort Immendingen“.

Sie macht den Weg dafür frei, dass in der idyllischen Kleinstadt an der Donau ein modernes Testzentrum der Stuttgarter Autobauer entstehen kann – auf einem Gelände, das noch von der Bundeswehr genutzt wird.

Grundlage: Das Stationierungskonzept 2011

Rückblick: Im Oktober 2011 beschließt Verteidigungsminister Thomas de Maizière im Rahmen des neuen Stationierungskonzeptes der Bundeswehr, dass der Standort Immendingen aufgeben wird. Stationiert sind hier Teile der Deutsch-Französischen Brigade, so das Artilleriebataillon 295, die Panzerpionierkompanie 550 und eine französische Ausbildungskompanie. Diese wird nach Müllheim verlagert, die deutschen Truppenteile verlegen nach Stetten am kalten Markt.

Abwicklung über Bundesanstalt

Interesse am Standortübungsplatz und an der Oberfeldwebel-Schreiber-Kaserne bekundet Daimler: Das Unternehmen ist in der Region auf der Suche nach einem Standort für ein Prüf- und Technologiezentrum. Insbesondere Fahrzeuge mit Elektro-, Wasserstoff- und Hybridantrieben sollen dort auf Herz, Nieren und Alltagstauglichkeit getestet werden. Die Gemeinde Immendingen trägt die Pläne mit, und es beginnen erste Verhandlungen, die schließlich in der Rahmenvereinbarung münden.

Diese beinhaltet aus rechtlichen Gründen ein Geschäft über Bande: Ab Mitte 2014 wird die Bundeswehr den Standortübungsplatz an die für die Verwertung zuständige Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) übergeben. 2016 sollen die Kaserne und schließlich die Standortschießanlage folgen. Die wird nämlich noch so lange gebraucht, bis an anderer Stelle ein adäquater Ersatz geschaffen ist. Die BImA als zuständige Behörde schließlich verkauft die ehemaligen Bundeswehr-Liegenschaften an die Daimler AG. Um einen bruchfreien Übergang zu ermöglichen, darf Daimler Teile der Kaserne schon vorher mit nutzen.

„Eine riesige Chance“

Vier zentrale Module soll das Prüf- und Technologiezentrum laut Daimler-Website umfassen: Einen mindestens dreispurigen Rundkurs, eine zweispurige, mindestens zwei Kilometer lange Messgerade, einen Dauertestkurs sowie eine „Simulationsstadt“, in der Situationen des täglichen Straßenverkehrs nachgestellt werden können. Maximal zwischen 300 und 400 Fahrzeuge sollen dort täglich im Einsatz sein und bis zu 300 Arbeitsplätze geschaffen werden. Das Investitionsvolumen beläuft sich laut Daimler auf einen „unteren dreistelligen Millionenbetrag“.

Christian Schmidt, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister der Verteidigung, hob bei der Unterzeichnung der Rahmenvereinbarung die konstruktive Verhandlungsatmosphäre hervor und würdigte Daimler als einen „zuverlässigen Partner“. Diesem biete das Gelände gute Möglichkeiten zu investieren und Arbeitsplätze zu schaffen. Als eine „riesige Chance für uns alle“, bezeichnete Daimler-Vorstand Thomas Weber die geschlossene Vereinbarung, die jetzt „ohne negative Einflüsse auf Umwelt und Landschaft“ mit Leben erfüllt werden soll. Zufrieden ist auch Immendingens Bürgermeister Markus Hugger: „Mit der Ansiedlung von Daimler hat unsere Gemeinde die einmalige Chance, sich vom Garnisonsstandort zum Wirtschaftsstandort zu entwickeln.“


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