Mittwoch 10.10.2018

Ehrendes Gedenken an Dr. Werner Dollinger zum 100. Geburtstag

Christian Schmidt: „Dollinger – eine politische Ausnahmeerscheinung“

Neustadt a.d. Aisch (pmw). Mit einer würdigen Gedenkfeier brachte die Christlich-Soziale Union die Leistungen des früheren Bundesministers Dr. Werner Dollinger in Erinnerung, der am 10. Oktober 100 Jahre geworden wäre. In seiner Heimatstadt hoben die Festredner übereinstimmend die Gradlinigkeit des im Jahr 2008 verstorbenen Politikers hervor, der über Parteigrenzen hinweg stets nur das Wohl der Menschen und den Aufbau des Landes nach dem Zweiten Weltkrieg im Sinn gehabt habe.

Sein Nachfolger als Wahlkreisabgeordneter im Deutschen Bundestag, Bundesminister a.D. Christian Schmidt, stellte das wertorientierte Denken Dollingers heraus, welches von der wirtschaftspolitischen Kompetenz Ludwig Erhards geprägt gewesen sei, ergänzt um christliche Grundlagen. „Solche vielfältig orientierten Persönlichkeiten könnten wir heute wieder mehr in der Politik gebrauchen", so Schmidt. Dollinger nannte er eine „Ausnahmeerscheinung in der Politik", der das politische Deutschland in der Nachkriegszeit entscheidend mit geprägt habe.

Politik mit Orientierung an christlichen Werten
„Wir denken mit Ehrfurcht an seine Arbeit und an das Viele, welches in seiner Verantwortung an Infrastruktur entstand". Schmidt nannte beispielhaft das von ihm reformierte Post- und Fernmeldewesen, die Teilprivatisierung der VEBA, den Start der ICE-Züge und den Weiterbau des Main-Donau-Kanals.


Als Kriegsteilnehmer habe Dollinger „getragen von einer tiefen demokratischen Grundüberzeugung" die CSU mitbegründet und war lange Zeit Kreisvorsitzender, stellvertretender Parteivorsitzender und Landesvorsitzender des Evangelischen Arbeitskreises. „Für ihn musste sich Politik stets an christlichen Werten orientieren; Privates, Politik, Kirche und Wirtschaft waren für ihn eine Einheit – er spielte keine verschiedenen Rollen, sondern war immer nur der Mensch Dollinger".

„Eine stimmige Persönlichkeit"
Der frühere Staatsminister Dr. Otto Wiesheu knüpfte als Präsident des Wirtschaftsbeirates der Union daran an und nannte Dr. Dollinger eine „stimmige Persönlichkeit", verlässlich und glaubwürdig im Denken und Handeln. Dollinger war 25 Jahre Vorsitzender der seit 70 Jahren bestehenden Wirtschaftsvereinigung gewesen und gelte heute noch als Vorbild, weil er „mutige Weichenstellungen mit begleitete und für ihn die Begriffe Freiheit und Verantwortung untrennbar miteinander verbunden waren". Zudem sei er „ein Mann des Ausgleichs und des Dialogs" gewesen, nicht nur mit Repräsentanten der Wirtschaft, sondern auch mit Arbeitnehmern und deren Organisationen.


CSU-Kreisvorsitzender Hans Herold berichtete davon, nach einem Politischen Frühschoppen in einer Steigerwaldgemeinde der CSU beigetreten zu sein, „weil ich von unserem damaligen Abgeordneten stark beeindruckt war". Was ihn später als JU-ler überzeugte, sei sein Einsatz für junge Menschen gewesen, „denen er Perspektiven eröffnete und ihnen Mut machte, ihre Zukunft selbst in die Hand zu nehmen".


Kommunale Wurzeln
„Dr. Werner Dollinger hat für unsere Heimat größte Bedeutung", so Erster Bürgermeister Klaus Meier. Nicht nur während seinen 18 Jahren im Stadtrat und vielen Jahren im Kreistag habe er die Entwicklung in Neustadt und der Region in schwerer Nachkriegszeit entscheidend geprägt und gefördert, sondern auch als Wahlkreisabgeordneter im Deutschen Bundestag und Bundesminister. In Anerkennung seines Wirkens für Neustadt wurde er anlässlich seines 60. Geburtstages mit der Ehrenbürgerwürde ausgezeichnet. Die Stadt sei „stolz auf ihren großen Sohn und Ehrenbürger auch im eigentlichen Wortsinn".


Ähnlich äußerte sich Altbürgermeister und Ehrenbürger Dr. Wolfgang Mück, der Dollinger als „tolerant, offenherzig und unabhängig beschrieb". Stets sei er für eine stabile und vom Recht bestimmte Ordnung eingetreten und die Hilfe für den Nächsten habe für ihn eine herausragende Rolle gespielt.


Die Grußredner waren übereinstimmend der Meinung, dass kommunale Wurzeln auch für die „große" Politik „nicht schaden". Die Kenntnis der Gegebenheiten vor Ort und der tägliche Umgang mit Menschen seien für das Erkennen von Problemlagen wichtig. Manchen, die „vom Hörsaal in den Plenarsaal" wechseln, fehle der Praxisbezug.


Demnächst „Dr.-Werner-Dollinger-Straße"
Großneffe Richard Dollinger, der als stellvertretender CSU-Ortsvorsitzender den Gedenktag mit ausrichtete, zeigte sich erfreut über die einmütige Zustimmung im Stadtrat, demnächst eine Straße nach Dr. Werner Dollinger zu benennen, was seine Fraktion beantragt hatte.
Alle Festredner berichteten von beeindruckenden Begegnungen und Gesprächen mit Dr. Werner Dollinger, sei es beim ihm zu Hause, im Ziegeleibüro, in kommunalen Gremien, bei Kirchentagen oder Parteiveranstaltungen.


Vor der Gendenkfeier würdigte die Neustädter Dekanin Ursula Brecht am Grab den „lebenslangen Gemeindedienst" Dollingers und dessen Einsatz für eine nachhaltige Entwicklung der Kirche, für die auch die Präsidentin der Landessynode der Evangelischen Kirche in Bayern, Dr. Annekathrin Preidel, gekommen war.


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