Freitag 07.06.2013

Rede anlässlich der Eröffnung der Ausstellung von HELP e.V. „Die vergessenen Flüchtlinge Südosteuropas“

Help – Hilfe zur Selbsthilfe ist die Hilfsorganisation der Parlamentarier und als Vorstandsmitglied von Help freue ich mich, dass ich Ihnen heute unsere Arbeit in der humanitären Hilfe näher bringen darf.

1981 vor nunmehr 32 Jahren schlossen sich Abgeordnete aller im Bundestag vertretenen Parteien zusammen, um zu helfen. Damals haben mehr als drei Millionen Flüchtlinge aus Afghanistan nach dem Einmarsch der Sowjetunion Schutz und Hilfe vor allem im Nachbarland Pakistan, aber auch im Iran gesucht.
Diesen Menschen galt es zu helfen und Afghanistan war und ist Kernland unserer Arbeit.

Seit 1989 arbeitet Help weltweit, hilft Menschen in Not bei großen Katastrophen wie z.B. nach dem Erdbeben in Haiti oder der Dürre in Ostafrika mit schneller Soforthilfe und langfristig im Wiederaufbau. Mit einem Projektvolumen, das sich seit Jahren zwischen 20 bis 30 Mio. Euro bewegt, ist Help zu einem anerkannten Partner für das Auswärtige Amt, das BMZ und internationale Geber gewachsen und wird besonders dafür geschätzt, dass es seine Projekte selbst vor Ort umsetzt.

Dank sparsamer Werbung und einer kleinen, aber effizienten Verwaltung liegen die Ausgaben für Werbung und Verwaltung zusammen seit Jahren unter 5 Prozent.
In Südosteuropa, d.h. in Bosnien und Herzegowina, Serbien und Montenegro ist Help bereits seit den 1990er Jahren aktiv und heute dürfen wir Ihnen hier im Paul-Löbe-Haus des Deutschen Bundestags Einblicke in die Situation der vergessenen Flüchtlinge Südosteuropas geben.

Die Ausstellung dokumentiert die Situation der Roma im Flüchtlingslager Konik. Hier haben die Fotografen Pavle Ćalasan, Tim Freccia und Judith Büthe sowie Kameramann Carsten Deinert Eindrücke vom Alltag der Menschen in Konik eingefangen und wir freuen uns, dass Frau Büthe und Herr Ćalasan heute hier bei uns sein können.

Am Rande der montenegrinischen Hauptstadt Podgorica, kurz vor der Mülldeponie, liegt Konik, der Stadtteil der vergessenen Flüchtlinge. Hier wohnen überwiegend Roma, geflüchtet aus dem Kosovo 1999, aber auch serbische und bosnische Flüchtlinge sowie montenegrinische Roma. Die beiden Camps Konik I und II sind soziale Brennpunkte. Seit mehr als 13 Jahren leben die Menschen hier in einem Flüchtlingslager, in einfachen Holzbaracken. Nach einem Großbrand in Konik I im Juli 2012 waren auch diese einfachen Behausungen fast vollständig zerstört. Einige Monate lebten die Roma in Zelten, seit Herbst 2012 nun in Containern.

Ein Lichtblick im Alltag der Kinder von Konik sind die Tanzworkshops von Help. In einer nahegelegenen Schule, deren Turnhalle von Help renoviert wurde, vergessen die Jugendlichen bei Hip-Hop und Breakdance ihre sozialen Probleme, kommen in Kontakt mit anderen, erhalten Anerkennung und können ihr Selbstwertgefühl steigern.

Die Tanzlehrer Redjep und Elvis haben das Flüchtlingsschicksal selbst erlebt, sind als Kinder in Deutschland aufgewachsen und wurden später abgeschoben. Heute versuchen sie über Musik und Tanz den Kindern und Jugendlichen von Konik soziale Werte, Selbstbewusstsein und Lebensfreude zu vermitteln und schaffen es so auch, neue Zukunftsträume entstehen zu lassen.

Die Arbeit von Help in Bosnien und Herzegowina, Montenegro und Serbien zeichnet sich aus durch die Integrationsförderung von benachteiligten Menschen in die Gesellschaft, durch Schaffung von Wohnraum und Einkommensmöglichkeiten.
Die Integration der Roma ist Teil der Projektarbeit.
In nunmehr 14 Jahren Projektarbeit in Montenegro hat Help 95 Maßnahmen mit einem Volumen von 24 Mio. Euro in den Bereichen humanitäre Hilfe, psychosoziale und medizinische Hilfe, Wohnungsbau und Einkommen schaffende Maßnahmen insbesondere für Flüchtlinge umgesetzt und damit letztendlich Tausenden Menschen in Not geholfen.

Dankbar sind wir für die großzügige Unterstützung unserer Arbeit durch die Europäische Union. Unseren Dank darf ich an dieser Stelle S.E. Herrn Drobnič als Botschafter der EU-Delegation in Montenegro persönlich aussprechen.
Die Europäische Union hat als eine von sieben Bedingungen, die Montenegro für die weitere Annäherung an die EU erfüllen muss, explizit die dauerhafte Lösung der Probleme des Lagers Konik benannt.

Doch die EU lässt Montenegro mit der Lösung dieses Problems nicht allein, sondern unterstützt diesen Prozess durch die finanzielle Förderung der Arbeit von Help in Konik. Zu den einzelnen Maßnahmen, die im derzeitigen Projekt verankert sind, gehören: Unterstützung bei der Klärung des Aufenthaltsstatus, Zugang zu Gesundheitsversorgung und zum Arbeitsmarkt, Bildung und Ausbildung, frühkindliche Entwicklungsförderung, Stärkung der Frauen, Förderung des Umweltbewusstseins und nicht zuletzt Schaffung von Wohnraum.

Auch der Regierung Montenegros gilt unser Dank und ich darf hier insbesondere I.E. Frau Joličić-Kulis, Botschafterin von Montenegro in Berlin bitten, diesen Dank an ihre Regierung zu übermitteln.
Die Regierung Montenegros setzt sich aktiv für die Verbesserung der Situation in Konik ein, hat einen Großteil der Nothilfemaßnahmen nach dem Brand in 2012 finanziert, die Bewohner in Konik I in Containern untergebracht und ist auch an den weiteren Maßnahmen finanziell stark beteiligt.
Gute Zusammenarbeit vor Ort und schnelle Hilfe sowie unbürokratische Förderung von Kleinmaßnahmen leistet die Deutsche Botschaft in Podgorica.
Hier gilt unser Dank dem Botschafter Pius Fischer, seinen Vorgängern und den Vertretern des Auswärtigen Amtes gleichermaßen. Nach dem Brand im Juli 2012 hat die Deutsche Botschaft für einen Monat die Versorgung der Menschen in Konik I mit einer warmen Mahlzeit täglich übernommen, förderte aber auch z.B. die Renovierung der Turnhalle, in der die Tanzworkshops stattfinden. v Für die erfolgreiche Zusammenarbeit vor Ort ist entscheidend, dass unser Landeskoordinator Klaus Mock, der selbst seit 1999 in Montenegro lebt, heimisch geworden ist, die Landessprache erlernt hat und alle Maßnahmen in enger Abstimmung mit den Bewohnern des Camps, mit dem UNHCR, mit dem montenegrinischen Flüchtlingsversorgungsamt und anderen lokalen Behörden sowie natürlich der EU und allen Gebern durchführt.

Dass alle hier an einem Strang ziehen, ist der Schlüssel für nachhaltige Lösungen und ist gleichzeitig auch Symbol für eine gemeinsame Arbeit, Hand in Hand, in der EU.

Besonders danken möchte ich auch der Autobahn Tank und Rast GmbH und der Commerzbank AG. Beide Firmen sind Help wohlgesonnen, unterstützen uns seit vielen Jahren und haben auch diese Ausstellung finanziell gefördert.

Und last but not least danke ich dem Deutschen Bundestag mit seinen Ausschüssen für Menschenrechte und humanitäre Hilfe sowie für die Angelegenheiten der Europäischen Union für die Würdigung des humanitären Engagements von Help, der Hilfsorganisation der Parlamentarier, durch diese Ausstellung im Paul-Löbe-Haus.

Liebe Gäste, lassen Sie uns nun gemeinsam durch die Ausstellung gehen und wenn Sie von unserer Arbeit überzeugt sind, dann dürfen Sie gerne auch an Help spenden. Informationen dazu liegen aus. Besonders meine Kolleginnen und Kollegen des Deutschen Bundestags möchte ich bitten, unsere Hilfsorganisation der Parlamentarier aktiv zu unterstützen.

Herzlichen Dank!


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