Donnerstag 07.07.2011

Rede zur Präimplantationsdiagnostik am 7.7.2011 im Deutschen Bundestag

Sehr geehrter Herr Präsident,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

heute entscheiden wir im Deutschen Bundestag abschließend über die gesetzliche Regelung zur Präimplantationsdiagnostik (PID). Ich bin sicher: Niemand von uns macht es sich in dieser Frage leicht. Es ist eine von tiefen Wertorientierungen geprägte persönliche Gewissensentscheidung.

Ich will betonen, dass alle drei Gesetzesinitiativen diesen Anspruch erheben können. Eigene Erfahrungen, Begegnungen und Wertungen haben uns geprägt. Wir müssen diese nun in einer schwierigen Abwägung in rechtliche Normen umsetzen.

Lebensschicksale betroffener Paare, die ihr Kind durch Tot- oder Fehlgeburt verloren haben, gemeinsam mit einem behinderten Kind in ihren Familien oder selbst mit einer schweren Erkrankung leben – manch einer weiß um und kennt diese Schicksale. Natürlich fällt angesichts solcher Betroffenheit eine Abwägung schwer. Was darf, kann man der Mutter, den Eltern zumuten? Und was dürfen wir den zu gebärenden Kindern „zumuten“?

Da bewegen mich auch die Berichte von Professor Schneider von der Uniklinik Erlangen über solche Kinder, die bei Anwendung der PID wohl nie geboren worden wären, aber heute ein selbständiges Leben führen können.

Bei der Frage, ob wir die PID in Deutschland zulassen wollen oder nicht geht es darum, die Grundlagen unseres Lebens auszuzeichnen und hierbei die nicht einfache Frage zu beantworten, wann menschliches Leben beginnt und ab wann dieses Leben schützenswert ist. Für mich kann ich diese Frage eindeutig beantworten: Mit der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle beginnt menschliches Leben und das ist der Zeitpunkt, ab dem dieses Leben geschützt werden muss, ob in vitro oder im Mutterleib.
Damit entscheiden wir über Leben. Welches Leben lebenswert ist, können und dürfen wir grundsätzlich nicht entscheiden.

Ich halte es für fraglich, dass eine heute festgelegte Begrenzung des Anwendungsbereiches der PID „auf schwerwiegende Erkrankungen“ - übrigens eine sehr vage Formulierung - auch noch in ein paar Jahren Bestand haben wird. Meine Befürchtung ist vielmehr, dass die Entwicklung mit dem medizindiagnostischen Fortschritt und einem gesellschaftlichen Wandel weitergehen wird. In ein paar Jahren werden dann vielleicht Paare ihren Wunsch nach einem perfekten „Designer-Baby“ äußern. Der nächste Schritt hin zu einem Screening auf chromosomale „Fehler“ der Embryonen ist realistisch. Wenn wir dann soweit sind, wann und wo werden wir dann eine Grenze setzen?

Der Mensch darf mit dieser Frage nicht allein gelassen werden, denn dies hieße, dass er Gefahr läuft, dem Zeittrend ausgesetzt zu sein. Aus immer mehr verbesserten medizinischen Möglichkeiten könnte eine nicht eingrenzbare faktische Disponibilität des Lebens erwachsen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

in dieser Frage leitet mich auch mein evangelisches christliches Verständnis und Menschenbild. Jedes Leben ist ein wertvolles Geschenk und muss geschützt werden. Ich kann nur erahnen, welche Sorgen und welche immense Beschwernis jeder Einzelfall mit sich bringt. Dennoch ist bei Abwägung für mich die Notwendigkeit des „Wehret den Anfängen“ ausschlaggebend.
Deshalb stimme ich gemeinsam mit den Kollegen Johannes Singhammer, Volker Kauder, Katrin Göring-Eckardt u. a. gegen die Zulassung der PID in Deutschland.


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