Dienstag 22.03.2011

Jüdische Soldaten in der Bundeswehr- Vortrag des Parlamentarischen Staatssekretärs Christian Schmidt am Helene-Lange Gymnasium Fürth am 15. März 2011

Sowohl außerhalb als auch innerhalb der Bundeswehr wird oft mit Erstaunen zur Kenntnis genommen, dass Soldaten jüdischen Bekenntnisses in der Bundeswehr ihren Dienst leisten, ob als Grundwehrdienstleistende oder als Zeit- und Berufssoldaten. Dieses Erstaunen ist nicht verwunderlich, denn vor allem mit Blick auf die Zeit des Nationalsozialismus ist es alles andere als selbstverständlich. Wir erinnern uns: Als die Nationalsozialisten 1933 in Deutschland die staatliche Macht übernommen hatten, gingen sie mit systematischer Diskriminierung, Ausgrenzung und Rassegesetzen gegen Juden vor. Sie deportierten Juden und brachten sie systematisch in Vernichtungslagern um. Dies alles hat tiefe Wunden hinterlassen. Auch wenn nach dem Zweiten Weltkrieg mit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland im Mai 1949 ein neues Kapitel in der deutschen Geschichte aufgeschlagen wurde, war es nahezu undenkbar, dass sich mit Blick auf die deutschen Verbrechen jüdisches Leben jemals wieder in Deutschland wirklich entfalten würde, geschweige denn, dass deutsche Männer jüdischen Glaubens, sofern es sie gab, in der 1955 aufgestellten Bundeswehr ihren Dienst versehen wollten. Zwar gab es einzelne Deutsche jüdischen Bekenntnisses, die freiwillig ihren Wehrdienst antraten, aber das war und blieb lange Zeit eine Ausnahme. Eine deutliche Zäsur im Hinblick auf Soldaten jüdischen Bekenntnisses in der Bundeswehr stellt die politische Wende in Deutschland sowie in Mittel- und Ost-Europa in den Jahren 1989/90 dar. Nicht zuletzt spielt hier auch der Zuzug von Jüdinnen und Juden aus der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland eine wichtige Rolle. Spätestens die Gründung des „Bund(es) jüdischer Soldaten“ im Spätherbst 2006 hat sichtbar werden lassen, dass es Soldaten jüdischen Bekenntnisses seit längerem auch in der Bundeswehr gibt. Doch zuvor lohnt an dieser Stelle ein Blick in die Geschichte, wie es um jüdische Soldaten in deutschen Streitkräften vor 1933 in Deutschland bestellt war. Deutschland legte im 19. Jahrhundert einen langen Weg im Hinblick auf einen deutschen Nationalstaat zurück. Am Beginn standen die Befreiungskriege 1813/14 gegen Napoleon, in denen bereits Männer jüdischen Glaubens in den zahllosen Kontingenten kämpften. Zwar verdankten Juden in deutschen Landen vor allem Napoleon die politische Gleichstellung durch den „code civil“ von 1804, aber auch in den Befreiungskriegen zeigte sich eine scheinbar begründete Hoffnung, dass nicht zuletzt in Preußen, Juden eine von der Verfassung garantierte vollständige rechtliche Gleichstellung erhalten werden. Die nach dem Wiener Kongress 1815 einsetzende Phase der Restauration machte diesen Hoffnungen alsbald ein Ende. Wiederum keimte in den Zeiten der Berliner Märzrevolution und der sogenannten 1848er Revolution bei Juden verstärkt die Hoffnung nach rechtlicher Gleichstellung auf. So wurde Juden z.B. in Preußen durch eine Verordnung vom 31. Dezember 1845 die Möglichkeit eröffnet, zum Unteroffizier befördert werden zu können. Aber der Offiziersberuf blieb ihnen auch weiterhin versperrt, da, so lautete eine Einschränkung, es Juden nicht erlaubt war, staatliche Gewalt über christliche Bürger auszuüben. Da in Preußen die Wehrpflicht nach 1815 ebenso für Juden galt, kämpften in den späteren Einigungskriegen nicht wenige Juden auf preußischer Seite: - Im Deutsch-Dänischen Krieg 1864 waren es 194 und im sogenannten Deutsch-Deutschen Krieg von 1866 waren es 1.025 preußische Soldaten jüdischen Glaubens. - Eine weitere Zäsur in mehrfacher Hinsicht stellt der Deutsch-Französische Krieg von 1870/71 dar, dessen Ergebnis die Ausrufung des (kleindeutschen) Deutschen Reiches am 18. Januar 1871 im Spiegelsaal von Versailles war. An diesem Krieg nahmen auf deutscher Seite 6.000 Juden teil; andere Quellen sprechen von ca. 15.000 Juden. In diesem Krieg fielen 448 Juden oder wurden schwer verwundet. 371 deutsche Soldaten jüdischen Glaubens sind sogar mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet worden. Darüber hinaus wurden jüdische Soldaten zu Offizieren befördert, wie dies bereits einmal in der Zeit der Befreiungskriege möglich war. Jedoch war es nur sehr wenigen beschieden, diese im Deutsch-Französischen Krieg eingeschlagene Karriere als (Berufs-)offizier nach Ende des Krieges mit Aussicht auf etwaige Beförderung fortzusetzen. Ein besonderes Ereignis stellt ein Feldgottesdienst dar, den im Oktober 1870 ca. 1.200 deutsche jüdische Soldaten in einem Lager vor der Festung Metz anlässlich des hohen Jüdischen Gedenktages Jom Kippur (Versöhnungstag) gefeiert haben und dabei von ihren nichtjüdischen, d.h. christlichen, deutschen Kameraden beschützt worden sind. Dieser Gottesdienst ist offenbar der erste jüdische Feldgottesdienst in deutschen Streitkräften. Wenngleich die Feier dieses Gottesdienstes in jener Form und Größenordnung historisch nicht als ganz gesichert gilt, so zeugt dennoch ein bald angefertigtes Gedenktuch von einem Geist der Brüderlichkeit zwi-schen jüdischen und christlichen Soldaten, wie er selten in der deutschen Geschichte anzufinden ist. Denn oberhalb der auf dem Erinnerungstuch dargestellten Gottesdienstszene ist in hebräischen und deutschen Lettern ein Vers aus dem Buch des Propheten Maleachi zu lesen: „Haben wir nicht Alle einen Vater? Hat uns nicht Alle ein Gott geschaffen?“ (Mal 2,10a). Sogar ein Hymnus ist auf diesen denkwürdigen Gottesdienst gedichtet worden, in dem es unter anderen heißt: „Die christlichen Kam´raden, als treue Liebeswacht, sie schützen ihre Brüder von früh bis in die Nacht.“ Leider hielt diese Grundstimmung nicht lange an, denn auch nach der Reichsgründung blieben Juden im Militär in der Regel von Offizierslaufbahnen ausgeschlossen. Zwar wurde das „Gesetz, betreffend die Gleichberechtigung der Konfessionen in bürgerlicher und staatsbürgerlicher Beziehung“, welches am 3. Juli 1869 von Bismarck für den Norddeutschen Bund erlassen worden ist, auf das gesamte Deutsche Reich ausgedehnt, aber um Offizier werden zu können, musste man in ein Offiziercorps aufgenommen, d.h. gewählt werden. Eine solche Aufnahme erfolgte für jüdische Offizieranwärter nicht, zumal die Offizierscorps in dieser Frage autonom waren. Hemmend wirkte hierbei ebenfalls ein wachsender Antisemitismus, den breite Schichten der Gesellschaft durchaus teilten. Eine Welle des Patriotismus erfasste einen Großteil der deutschen Juden beim Ausbruch des Ersten Weltkrieges im August 1914. Dieser entfesselte Patriotismus basierte letztlich auch auf einem enorm spezifischen Loyalitätsdruck, der auf Juden nicht nur in Deutschland, sondern auf Juden in allen kriegführenden Staaten als einer exponierten Minderheit lastete. Nach den allgemeinen Emanzipationsgesetzen von 1871 bot sich für Juden im Deutschen Kaiserreich zum ersten Mal die Möglichkeit, die Verbundenheit mit dem Vaterland existenziell unter Beweis zu stellen. So verwundert es nicht, dass jüdische Organisationen dazu aufriefen, sich freiwillig an die Front zu melden. So heißt es in einem Aufruf vom 1. August 1914: „In schicksalsernster Stunde ruft das Vaterland seine Söhne unter die Fahnen. Daß jeder deutsche Jude zu den Opfern an Gut und Blut bereit ist, die die Pflicht erheischt, ist selbstverständlich.“ Zu Hunderten meldeten sich junge jüdische deutsche Männer an die Front. In Folge mancher Loyalitätsbekundungen seitens jüdischer Vertreter gegenüber dem Kaiser wurden jetzt die Offiziersränge auch für jüdische Bewerber geöffnet. Eine Besonderheit im Ersten Weltkrieg ist hierbei die Duldung und dann die Zulassung einer jüdischen Militärseelsorge für deutsche jüdische Soldaten. Über 30 Feldrabbiner, gekennzeichnet durch Uniform und Goldenen Davidsstern an einer Kette, ähnlich dem Brustkreuz christlicher Feldgeistlicher, versahen den seelsorglichen Dienst an jüdischen und teilweise auch an christlichen Kameraden. Der prominenteste Vertreter war Rabbiner Dr. Leo Baeck (1873-1956), welcher der wichtigste und profilierteste Vertreter des deutschen liberalen Judentums war. Nach ihm ist heute die Leo-Baeck-Foundation benannt. (Diese Stiftung soll durch die Förderung des Abraham Geiger Kollegs als Nachfolgerin der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums in Berlin das Judentum in Europa festigen und ausbauen sowie eine Perspektive des interreligiösen Dialogs schaffen.) Synagogale Feldgottesdienste stellten kein Problem dar, mitunter teilte man sich eine „Feldkirche“ geschwisterlich, in der Davidstern und Kreuz gemeinsam in einem Raum hingen. Die bayrische Armee erlaubte bereits seit 1868 eine Beurlaubung jüdischer Soldaten zu den fünf jüdischen Hauptfesten, wenn jene es selbst wollten und keine dienstlichen Gründe dagegen standen. Zudem nahm die bayrische Armee auf jüdische Speisevorschriften Rücksicht. Von daher kann es nicht ganz verwundern, dass im Jahr 1895 im Reichstag zu Berlin das Verhältnis der bayrischen Armee zu ihren jüdischen Soldaten als vorbildlich bezeichnet worden ist. „Felix Bavaria“, „Glückliches Bayern“. Einen massiven Bruch des guten Verhältnisses zwischen Soldaten christlichen und jüdischen Bekenntnisses im Ersten Weltkrieg bildete dann die vom preußischen Kriegsministerium angeordnete berüchtigte „Judenzählung“ im deutschen Heer im Oktober 1916. Da entgegen mancher Vorstellung die Dauer des Krieges immer länger wurde und sich zu einer militärischen und menschlichen Katastrophe auszuweiten begann, gab es auch in der Heeresleitung Stimmen, die unter Einfluss antisemitischer Einstellungen jüdischen Soldaten den Vorwurf machten, ihrer Vaterländischen soldatischen Pflicht nicht nachzukommen und so zu der sich abzeichnenden Niederlage beizutragen. Der Vorwurf fehlender militärischer Eignung war weit verbreitet. Wenn ich an dieser Stelle noch einmal Zahlen bemühe, um zu zeigen, dass Juden keine „Drückeberger“ waren, so lässt sich feststellen, dass im Heer ca. 100.000 Juden dienten. Dies entspricht einem Sechstel der damaligen männlichen jüdischen Gesamtbevölkerung. Es kämpften ca. 80.000 jüdische Soldaten an der Front, ca. 35.000 wurden wegen ihrer Tapferkeit ausge-zeichnet und ca. 12.000 liessen ihr Leben im Weltkrieg. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges und im Zusammenhang mit der Niederlage Deutschlands setzte sich die antijüdische Grundstimmung in vielen Bereichen fort. Juden wurden für den verlorenen Krieg verantwortlich gemacht. Vor diesem Hintergrund dieser antisemitischen Verleumdungen wurde am 8. Februar 1919 in Berlin vom Hauptmann d. R. Dr. Leo Löwenstein (1879-1956) ein jüdischer Soldatenbund gegründet. Im Jahr 1920 schlossen sich dann die auch in anderen Städten entstandenen jüdischen Soldatenbünde zum „Reichsbund jüdischer Frontsoldaten“ (RjF) zusammen. Mitglied konnte werden, wer als „Kriegsteilnehmer deutscher Reichsangehörigkeit (...)zur kämpfenden Truppe gehört und in der Gefahrenzone Dienst getan hat.“ Als Bundeszeitschrift wurde „Der Schild. Zeitschrift des Reichsbundes Jüdischer Frontsoldaten“ herausgegeben. Der Reichsbund Jüdischer Frontsoldaten stellte seine Arbeit nach der Pogromnacht vom 9./10. November 1938 zusammen mit anderen jüdischen Organisationen ein. Eine Nachfolgeorganisation des Reichbundes war die „Jewish Veterans´s Association“. Diese wurde in den Vereinigten Staaten von ehemaligen RjF-Mitgliedern gegründet und bestand noch bis 1967. In diesem Zusammenhang ist auf eine etwas bizarre Diskussion hinzuweisen, die nahezulegen scheint, dass jüdische Soldaten in der Wehrmacht ihren Dienst versehen hätten. So sorgte im Jahr 2003 ein Buch in Deutschland für Aufsehen, welches Bryan Mark Rigg, Professor für Geschichte an der American Military Universität Manassas (Virginia), verfasst hatte und in Deutschland unter dem Titel „Hitlers jüdische Soldaten“ herausgegeben wurde. Anders als es der deutsche Buchtitel vielleicht nahelegen könn-te, handelt die Untersuchung nicht von Soldaten, die sich in der Wehrmacht zum jüdischen Glauben oder zu ihrer jüdischen Herkunft bekannt haben. Vielmehr geht es um solche, die einmal jüdische, teilweise später zum Christentum konvertierte Vorfahren hatten, ohne es selbst oft zu wissen. Aufgrund der Nürnberger Rassegesetze von 1935 galten nun auch jene Soldaten als „nicht-arisch“, was praktisch einem Berufsverbot gleichkam. Die im Jahr 1935 in Deutschland wieder eingeführte Wehrpflicht machte im Wehrgesetz (§15) ausdrücklich die „arische Abstammung“ zur Voraussetzung für das Ableisten der Wehrpflicht. Darüber hinaus wurden Juden als „wehrunwürdig“ diskriminiert. Der von Deutschland 1939 begonnene Zweite Weltkrieg endete für Deutschland vernichtend. Verbrechen bisher ungeahnten und unbekannten Ausmaßes geschahen in dieser Zeit. Vor allem ist hier die Shoa zu nennen, die planmäßige und systematische Vernichtung des deutschen und europäischen Judentums, welche in Berlin auf der Wannsee-Konferenz im Januar 1942 beschlossen wurde. Somit konnte es niemanden verwundern, dass Jüdinnen und Juden, die die Shoa wie durch ein Wunder überlebten, nicht in Deutschland bleiben wollten, wenngleich letztlich dennoch einige aus unterschiedlichen Gründen hier blieben. Nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland im Mai 1949 ist sechs Jahre später in dieses demokratische Staatswesen hinein im November 1955 die Bundeswehr aufgestellt worden. Da zu diesem Zeitpunkt der Zweite Weltkrieg gerade einmal zehn Jahre zurücklag, konnte es nicht ausbleiben, dass schon aufgrund der Geburtsjahrgänge nicht wenige ehemalige Wehrmachtssoldaten in die Bundeswehr eintraten. Vor dem Hintergrund der nationalsozialistischen Verbrechen gegen die Juden und den damit verbundenen unermesslichen Wunden, die im Jahr 1955 keineswegs geheilt sein konnten, ist es verständlich und nachvollziehbar, dass von den wenigen deutschen Juden keiner in die Bundeswehr eintrat. Mehr noch, alsbald gab es in Verbindung mit der wieder eingeführten Wehrpflicht eine gesetzliche Regelung, die männliche jüdische Mitbürger, deren nächste Angehörige während der Herrschaft des Nationalsozialismus der Verfolgung ausgesetzt waren oder getötet wurden, vom Wehrdienst befreite. Darüber hinaus existiert heute weiterhin eine sogenannte Ver-fahrensanweisung an die Kreiswehrersatzämter, nach der auch spätere Nachfahren auf Antrag hin vom Wehrdienst in der Bundeswehr auf unbefristete Zeit zurückzustellen sind, wenn sie nachwirkendes Betroffensein geltend machen. Fast 62 Jahre nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland und über 55 Jahre nach Aufstellung der Bundeswehr darf heute mit Fug und Recht gesagt werden, dass unsere Demokratie sich als stabil, belastbar und verlässlich erwiesen hat bzw. sich erweist. Vor diesem überzeugenden Hintergrund und im Zusammenhang einer Wiedergutmachung des an Juden geschehenen Unrechts haben nach der politischen Wende in Mittel- und Osteuropa viele Jüdinnen und Juden aus den Nachfolgestaaten der Sowjetunion in unserem Land dauerhaft Aufnahme gefunden, so dass sich in Deutschland wieder vielfältiges jüdisches Leben regt. Zeugnis davon geben lebendige jüdische Gemeinden, die (Wieder-)Errichtung von Synagogen wie beispielsweise in Dresden und Mainz sowie die Möglichkeit, sich mindestens an drei Einrichtungen zum Rabbiner, aber auch zur Rabbinerin ausbilden zu lassen. Mittlerweile leben mehr als 100.000 jüdische Mitbürger und Mitbürgerinnen wieder in unserem Land. Vor diesem skizzierten Hintergrund verwundert es nicht, dass Soldaten jüdischen Bekenntnisses wieder in einer deutschen Armee, in der Bundeswehr, ihren Dienst versehen, da sie ein begründetes Vertrauen in unsere Demokratie und in unsere Streitkräfte haben. Ein sichtbares Zeichen für dieses neue Vertrauen war die Gründung des „Bund(es) jüdischer Soldaten“ im November 2006. Sie wurde einen Tag vor dem Gedenken an die Pogromnacht von 1938 am 9. November 2006 auf einer Informationsveranstaltung unter der Schirmherrschaft des Deutschen Bundeswehrverbandes in Gerolstein bekanntgegeben. In der vorliegenden Satzung wird der Vereinszweck des Bundes jüdischer Soldaten u.a. wie folgt beschrieben: „Zweck des Vereins ist die Bewahrung des Andenkens an die jüdischen Soldaten, die in den Armeen der deutschen Staaten, der Armee des Kaiserreiches und der Weimarer Republik dienten, die in den Kriegen des 19. Jahrhunderts und vor allem im Ersten Weltkrieg für Deutschland kämpften und ihr Leben ließen. Ein besonderes Anliegen des Vereins ist es, an das Schicksal der ehemaligen jüdischen Frontsoldaten des Ersten Weltkrieges und ihrer Familien in der Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft zu erinnern.“ Bezüglich einer Mitgliedschaft wird gesagt: „Mitglied kann jeder jüdische Soldat werden, der aktiven Dienst in der Bundeswehr leistet sowie jeder ehemalige jüdische Soldat, der als Grundwehrdienstleistender, als Zeitsoldat oder als Berufssoldat aktiven Dienst geleistet hat.“ Fragt man nun danach, wie viele Soldaten jüdischen Galubens in der Bundeswehr ihren Dienst versehen, so kann man nach nicht offiziell bestätigten Angaben die Zahl von rund 200 Soldaten hören. Da eine solche Entwicklung vielleicht so manchen militärischen Vorgesetzen überrascht haben mag, hat das Zentrum Innere Führung in Koblenz ein Arbeitspapier mit dem Titel „Deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens in der Bundeswehr“ herausgegeben. Am 18. August 2010 konnte bereits dessen zweite Auflage der Vorsitzenden des Zentralrates der Juden in Deutsch-land, Frau Dr. Charlotte Knobloch, bei ihrem Besuch am Zentrum Innere Führung übergeben werden. Dieses Arbeitspapier will nicht nur Soldaten aller Dienstgradgruppen informieren, sondern auch Verhaltenssicherheit geben, wenn z.B. ein Soldat zu einem hohen jüdischen Feiertag dienstfrei haben will. Der eine oder andere Vorgesetzte wird zudem vielleicht zum ersten Mal durch jenes Papier erfahren haben, dass ein Soldat jüdischen Bekenntnisses, wenn er es will, seine Religionszugehörigkeit auch auf seine sog. Erkennungsmarke einprägen lassen kann. Ebenso wird darauf hingewiesen, dass Soldaten jüdischen Bekenntnisses schweinefleischfreie Kost bekommen, wenn dies rechtzeitig angezeigt wird. Nach wie vor ist es hingegen so, dass es keine jüdische Militärseelsorge in der Bundeswehr gibt, wie dies beispielsweise in Frankreich, Österreich oder in den US-Streitkräften der Fall ist. Aus Gesprächen weiß ich, dass christliche Militärgeistliche gern bereit sind, Soldaten jüdischen Glaubens bei der Suche nach jüdischen Ansprechpartnern behilflich zu sein, wenn jene sich in einer Notsituation befinden sollten und es wünschen. Glücklicherweise gibt es in Deutschland wieder zahlreiche jüdi-sche Gemeinden, vor allem in Städten, so dass eine entsprechende Kontaktaufnahme kein Hindernis mehr darstellt. Mit Aussetzung der Pflicht zur Ableistung des Grundwehrdienstes werden in Zukunft Jugendliche zur Bundeswehr kommen, die sich ganz bewusst für die Bundeswehr entschieden haben. Dies trifft selbstverständlich auch auf junge jüdische Frauen und Männer mit deutscher Staatsangehörigkeit zu. So vielfältig heute wieder jüdisches Leben in Deutschland ist, so vielfältig wird sicherlich dabei auch die Frage beantwortet werden, ob eine Jüdin oder ein Jude zur Bundeswehr geht oder nicht. Trotz allen begründeten Vertrauens in die demokratisch legitimierten und verankerten Streitkräfte ist auch heute noch eine solche Entscheidung für die Bundeswehr nicht selbstverständlich. Aber dass allein schon eine solche Frage gestellt werden kann, ist bemerkenswert und Verpflichtung zugleich.


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