Donnerstag 04.06.2009

Wie Schaschlik-Willi der NATO half

Zwischen Anekdoten und ungelösten Konflikten: Das Bündnis wird 60 Jahre alt - von Georg Escher, Nürnberger Zeitung vom 4. Juni 2009

Es hätte sich kaum ein passenderer Ort finden lassen: Die Deutsche Atlantische Gesellschaft hatte in die „Grüne Halle“ in Fürth eingeladen, wo in prominenter Runde über „60 Jahre Nato-Europa und die Zukunft der Nato“ diskutiert wurde. Der Veranstaltungsort war bis vor wenigen Jahren Teil der US-Kaserne; dort wurde Basketball gespielt.

FÜRTH — Christian Schmidt, der Parlamentarische Staatssekretär im Verteidigungsministerium, erzählt die Geschichte immer gern, wenn er über die Nato redet. Wie hatte der erste Nato-Generalsekretär, der Brite Lord
Ismay, die Aufgabe des Bündnisses beschrieben? „Die Amerikaner drinnen-, die Russen draußen- und die Deutschen niederhalten.“
Wie sehr sich das Innenleben der Nato in den 60 Jahren ihres Bestehens
geändert hat, zeigt sich für den Fürther CSU-Politiker auch an dieser
Geschichte: In den 80er Jahren diente John M. Shalikashvili zuerst als stellvertretender Kommandeur und später als Brigadier-General des Standortes
in Fürth. Weil sein Name nicht nur für Franken schwer aussprechbar war,
wurde er flapsig oft Schaschlik-Willi verballhornt. „Dass man das so sagen
konnte, sagt etwas aus über die Zusammengehörigkeit“, fand Schmidt. In den Nato-Gründertagen hätte das niemand gewagt.

Die Anekdoten-angereicherte Einführung des Staatssekretärs verdeckte allerdings nicht, dass die Allianz heute vor etlichen ungelösten Problemen steht. Ganz oben auf der Agenda: Afghanistan. Weder er noch US-Generalkonsul Eric Nelson oder der deutsche Generalleutnant Karlheinz Viereck, der im amerikanischen Marinestützpunkt Norfolk über die Transformation der Nato nachdenkt, konnten Rezepte anbieten, wie das Land am Hindukusch befriedet werden kann. Nelson meinte nur, man werde sich „auf einen langfristigen Einsatz einstellen“ müssen.
Und es gibt reichlich andere Baustellen.

Neben der Terrorgefahr bereitet den Nato-Partnern vor allem die Verbreitung von Atomtechnik Kopfzerbrechen, die Gefahr, die aus gescheiterten Staaten wie Somalia erwächst, aber auch die Bedrohung durch den sogenannten Cyber-Krieg.
Den Schutz vor Angriffen auf die weltweiten Computernetze, eine der Aufgaben
auch von Generalleutnant Viereck, hat US-Präsident Barack Obama gerade als eine der drängendsten Prioritäten benannt. Dazu kommt das komplizierte Verhältnis zu Russland, das durch den Georgien-Konflikt, durch Spannungen zwischen Moskau und den baltischen EU-Staaten sowie durch den Streit um den geplanten US-Raketenschirm bestimmt ist. Offenkundig hakt es innerhalb der Allianz. Ein Großteil der Debatte in der „Grünen Halle“ drehte sich um das nicht unkomplizierte Verhältnis zwischen der Nato und der EU. „Auf der Straße“, also in den konkreten weltweiten Einsätzen, funktioniere das Miteinander recht gut, versicherte Viereck als Militär. Ob die Soldaten dabei den Nato-Helm oder den der EU tragen, es sind ohnehin dieselben Truppen. Über die politische Ausrichtung gibt es aber durchaus unterschiedliche
Sichtweisen.

„Außergewöhnlicher Partner“
US-Generalkonsul Nelson zitierte zwar seinen Präsidenten, der sich bei seinem Besuch in Baden-Baden Anfang April erfreut gezeigt hatte, „einen so außergewöhnlichen Partner wie Deutschland“ zu haben. Doch interessant war, dass keiner deutlicher als der Militär Viereck anmahnte, die Nato müsse mehr die politischen und zivilen Elemente der Sicherheitspolitik stärken anstatt die militärische Kraft. Auch Staatssekretär Schmidt betonte die Bedeutung dieser zivilen Komponente. Beider Botschaft war: Das ist eine Stärke eher der EU, nicht so sehr der Nato. Dieses Nebeneinander müsse aber aufhören, findet Viereck. „Wir sollten vielleicht mehr gemeinsam planen“,
meinte er diplomatisch. „Ich meine, die Zeit ist reif.“


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